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Produktmanagement zwischen Innovation und Cybersecurity

Produktmanagement war lange die Kunst, Marktbedürfnisse in Features zu übersetzen. Das stimmt noch. Aber es reicht nicht mehr.

Neue Regularien, KI-Revolution und veränderte Kundenbedürfnisse kommen gleichzeitig. Produktmanager, die das ignorieren, werden abgehängt. Das ist keine Drohung, sondern eine Beobachtung.

17. MSC-Jahrestagung für Produktmanager
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Die Veranstaltung von Peter Kairies fand am 5. und 6. Mai 2026 im Atlantic Hotel Heidelberg statt: zwei Tage mit rund 100 Produktmanagern aus Industrie und technischen Branchen, Leitthema Next Generation Product Management.

In meinem Vortrag habe versucht, drei Entwicklungen zu verbinden, die im technischen Produktmanagement gerade gleichzeitig passieren und die unsere Rolle innerhalb der nächsten 18 Monate spürbar verändern werden.

Handout
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Das Handout gibt es hier:

Handout herunterladen (PDF)

Treiber im Produktmanagement: Software, Ecosysteme, Cybersecurity und KI
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Software wächst in jedem Produkt, auch bei Komponenten-Herstellern. Ecosysteme, weil kein Unternehmen mehr alles allein kann. Cybersecurity entscheidet zunehmend über Marktzugang. KI verändert nicht nur das Produkt, sondern den Job des Produktmanagers selbst.

Cybersecurity ist nicht delegierbar — und der Countdown läuft
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Wer von euch hat den Cyber Resilience Act schon mit echter Priorität im Backlog?

Am 11. September 2026 wird die Meldepflicht für aktiv ausgenutzte Schwachstellen scharf: 24 Stunden, EU-weit. Am 11. Dezember 2027 kommt die CE-Kennzeichnungspflicht für vernetzte Produkte. Strafen: bis 15 Millionen Euro oder 2,5 Prozent des Jahresumsatzes.

SBOM, also eine Software Bill of Materials, wird zur Pflicht. Das heißt: Produktmanagement muss seine Software Supply Chain verstehen, nicht nur die Feature-Roadmap. Wer Komponenten von Dritten verwendet, muss wissen, was drinsteckt und wie schnell man auf eine Lücke reagieren kann.

Die unbequeme Wahrheit für viele etablierte Produkte: Legacy-PLCs sind proprietär, geschlossen, nie für Connectivity und Industrie 4.0 gebaut worden. Heute brauchen wir ihre Daten für Effizienzverbesserungen und müssen sie im Werk konsekutive machen. Das wird nicht mehr lange durchgehen.

Bei ctrlX OS haben wir das Thema von Anfang an als Architekturthema behandelt: IEC 62443-4-2 SL2 zertifiziert, CRA-ready by Design. Nicht als Marketing-Aussage gemeint, sondern als Existence Proof: Es geht. Heute. (Mehr dazu in meinem Post zu CRA und Automatisierung.)

Die Konsequenz für jeden PM im Raum: Cybersecurity ist kein Spezialistenthema mehr, das man an die IT delegiert. Sie ist Teil eurer Roadmap-Planung — oder ihr habt 2027 ein Marktzugangsproblem.

KI verändert nicht das Produkt — sie verändert euren Job
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Andrew Ng hat die schnelle Entwicklung bei den KI-Agenten im Sommer 2025 in einem Satz zusammengefasst:

Engineering ist nicht mehr der Engpass, Produktmanagement ist es.

Die Effizienzsteigerungen in der Software-Erstellung sind enorm. Prototyp in einem Tag. Requirements aufnehmen, User-Feedback brauchen ewig. Wer ist der Bottleneck?

Was ich auf der Bühne live gezeigt habe: eine Marktanalyse für ein konkretes Unternehmen aus dem Publikum, in Echtzeit, mit einem KI Agenten wie Claude Code. Positionierung, relevante Markt- und Partnersignale, zwei bis drei Hypothesen für Pain Points und Go-to-Market. In etwa fünf Minuten ein erster belastbarer Arbeitsstand, für den ich vor zwei Jahren einen halben Tag gebraucht hätte oder für den man externe Berater beauftragt hätte.

Wichtig dabei: Das ersetzt nicht das Urteil des Produktmanagers. Die KI-Systeme können halluzinieren, deshalb vom KI-Agenten immer die Quellen der Aussagen verlangen und überprüfen. Aber die Zeit bis zum ersten Arbeitsstand verkürzt sich radikal. Marktanalyse ist nur ein Beispiel, derselbe Hebel gilt für Wettbewerber-Screening, Partner-Mapping, Briefing-Entwürfe, Meeting-Verdichtung.

Was viele unterschätzen: LLM-Readiness. Wenn euer Produkt in ChatGPT, Perplexity oder Claude nicht auftaucht oder falsch erklärt wird, verliert ihr Sichtbarkeit genau dort, wo neue Vorentscheidungen entstehen. Suchverhalten verschiebt sich gerade. SEO reicht nicht mehr.

Drei Dinge, die ich jedem im Raum mitgegeben habe: Testet heute, wie eure Lösung in den großen LLMs erscheint. Strukturiert Dokumentation im Frage-Antwort-Format (FAQ), nicht als Fließtext. Klare Use-Case-Beschreibungen schlagen Marketing-Sprech.

Und dann gibt es noch die dritte Ebene: KI im Produkt selbst. Wir haben mit Ask iXi einen KI-Assistenten gebaut, der ausschließlich auf vertrauenswürdigen Quellen wie unseren Handbüchern arbeitet. Über MCP-Server werden unsere Produkte für KI-Agenten ansteuerbar — also nicht nur für Menschen, auch für die Software, die immer mehr Kunden zwischen sich und das Produkt schalten. Das Produkt wird zum KI-Teilnehmer im Workflow des Kunden.

Ökosysteme sind kein Nice-to-have mehr — sie definieren die PM-Rolle neu
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Wir sind bei ctrlX World von 12 Partnern auf über 110 gewachsen. Das ist nicht nur eine Zahl auf einer Folie. Das ist ein Beweis, dass das Modell trägt und sich für alle lohnt.

Was sich für mich als PM dadurch verändert hat: Ich verwalte Schnittstellen, Partner-Onboarding-Prozesse, Developer Experience, Go-to-Markets. Das ist ein anderes Spiel als klassisches Feature-PM.

Diese Verschiebung hat in der Industrie inzwischen breit Einzug gehalten. Mehrere Speaker auf der MSC haben dasselbe Grundproblem aus unterschiedlichen Winkeln beleuchtet: Portfolio-Komplexität bei steigendem Software-Anteil. Daten als Produkt. Plattform plus eigenes Portfolio. Das ist nicht mehr Bosch-spezifisch und auch nicht ctrlX-spezifisch — das ist der Mainstream im technischen PM, 2026.

Für Produktmanager heißt das konkret: Wer Plattform-Themen heute nicht im Vokabular hat (Gemeinsame Use Cases und Go-to-Market, Partner-Lifecycle, Developer Experience), wird in den nächsten zwei Jahren Mühe haben mitzuspielen. Ich habe das ausführlicher in meinem Post zu zu meinem letzten Vortrag beim MSC zur Partner-Strategie beschrieben.

Was die anderen Speaker gezeigt haben
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Was mir aber als roter Faden durch die Tage geblieben ist:

Plattform-Strategien sind im PM-Mainstream angekommen. Mehrere Speaker (KEBA, SEW-EURODRIVE, JUMO, HARTING) haben in unterschiedlichen Schattierungen dasselbe Problem adressiert: wie skaliert man Software, Daten und Partner-Beziehungen über ein wachsendes Hardware-Portfolio? Wie reduziert man Komplexität und verbessert seine Datenbasis. Die Antworten sind verschieden, der Druck ist überall derselbe.

Über Cybersecurity habe nur ich gesprochen. Kein anderer Vortrag hat den Compliance-Druck so konkret adressiert. Das hat mich überrascht. Vier Monate vor scharfgeschalteter CRA-Meldepflicht habe ich mit weniger Zurückhaltung gerechnet.

KI ist überall — aber sehr unterschiedlich tief. Manche Speaker zeigten KI als Werkzeug der Produktorganisation, andere als Produktmerkmal, einige als Reifegrad-Diskussion. Niemand mehr als reine Zukunftsmusik. Das ist neu im Vergleich zur Tagung 2024.

Die Keynote von Kurt Matzler zum High Performance Mindset war der überraschendste Beitrag der zwei Tage. Strategie-Professor und Ultracycling-Weltmeister in einer Person. Ein Satz von ihm bleibt hängen:

“Erfolg ist ein Ergebnis, kein Ziel.”

Vielen Dank an Peter für die Einladung und ans Orga-Team für die wirklich gelungene Veranstaltung!


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